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Erfahren Sie mehr über uns

Die Jüdische Gemeinde St. Gallen wurde im Jahr 1863 gegründet und hat eine lange bewegte Geschichte. Heute ist sie eine öffentlich-rechtlich anerkannte Einheitsgemeinde mit ca. 120 Mitgliedern. 

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Zur Gemeinde gehören die sehr schöne Synagoge im maurischen Stil aus dem Jahr 1881, das Gemeindehaus und ein jüdischer Friedhof mit Abdankungshalle und Tahara-Raum für die Waschung der Verstorbenen. 

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Der Vorstand verantwortet die Geschicke der Gemeinde gegen innen und aussen in enger Zusammenarbeit mit dem Rabbiner und verschiedenen Kommissionen. Der Rabbiner leitet die Gottesdienste und den Religionsunterricht für Kinder und  gibt Kurse für Erwachsene. Er ist vertrauliche Ansprechperson und kümmert sich insbesondere auch um die Nöte von kranken und alten Mitgliedern.  

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Gottesdienste werden an Schabbat, den Feiertagen, an Bat Mizwa und Bar Mizwa und an Hochzeiten abgehalten.

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Der Gemeindesaal wird bei Festfeiern wie Channukka, Purim und Pessach, sowie für Kidduschim, Lern- und Kulturveranstaltungen rege genutzt.Verschiedene Vereine wie der jüdische Frauenverein, die Chewra Kadischa, wie auch die CJA (Christlich Jüdische Arbeitsgemeinschaft Ostschweiz), Gesellschaft Schweiz-Israel Ostschweiz, Kiriath Yearim (Schweizer Kinderdorf in Israel) und der Runde Tisch der Religionen sind öfters zu Gast in den Gemeinderäumlichkeiten.  

Rabbiners' Gedanke zur wöchentlichen Parascha

Lech Lecha – Aufbruch, Verwantwortung und Hoffnung

 

Schabbat Schalom!

 

Mit dem Ruf „Lech Lecha“ beginnt für Abraham ein neuer Lebensabschnitt. Gott spricht zu ihm: „Geh aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde“ (1. Mose 12,1). Abraham verlässt das Vertraute und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Er weiss nicht genau, was ihn erwartet, aber er vertraut darauf, dass sein Weg einen Sinn hat.

Auch wir stehen immer wieder vor solchen Aufbrüchen. Nach den Feiertagen kehren wir in den Alltag zurück, der Winter steht vor der Tür, und vieles in unserer Welt erscheint unsicher und herausfordernd. Gerade dann erinnert uns Abraham daran, dass Veränderung Mut verlangt – den Mut, Gewohntes zu hinterfragen, neue Wege zu wagen und die Zukunft nicht einfach dem Zufall zu überlassen.

Doch Abrahams Grösse zeigt sich nicht allein in seinem Aufbruch. Sie zeigt sich ebenso in seiner Verantwortung für andere. Als er erfährt, dass sein Neffe Lot gefangen genommen wurde, zögert er nicht und zieht mit seinen Männern los, um ihn zu befreien (1. Mose 14,14–16). Trotz früherer Meinungsverschiedenheiten lässt er Lot nicht im Stich. Familie und Menschlichkeit sind für ihn keine leeren Worte, sondern Verpflichtungen, aus denen Taten folgen.

Gleichzeitig bleibt Abraham ein Mann des Friedens. Als er von der drohenden Vernichtung Sodoms erfährt, stellt er Gott eine mutige Frage: „Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?“ (1. Mose 18,25). Abraham schweigt nicht angesichts möglichen Unrechts. Er ringt um Gerechtigkeit und setzt sich für andere ein, selbst wenn er damit seinem Gegenüber widersprechen muss.

Darin liegt eine wichtige Botschaft unserer Tradition: Glaube bedeutet nicht blinden Gehorsam oder passives Hinnehmen. Glaube kann auch bedeuten, Fragen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und sich für das Leben und die Würde anderer einzusetzen.

 

Die jüdische Tradition bringt diesen Anspruch in einem Satz aus dem Buch Micha auf den Punkt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir fordert: nichts anderes, als Recht zu üben, Güte zu lieben und bescheiden zu gehen mit deinem Gott“ (Micha 6,8).

 

Auch der Prophet Sacharja erinnert uns daran, dass Frieden nicht nur eine schöne Vorstellung sein darf: „Liebt Wahrheit und Frieden“ (Sacharja 8,19). Beides gehört zusammen. Frieden ohne Gerechtigkeit bleibt unvollständig, und der Einsatz für Gerechtigkeit darf niemals unsere Menschlichkeit verdrängen.

Abrahams Kampf zur Rettung Lots zeigt, wie schwierig das Gleichgewicht zwischen Frieden und notwendiger Verteidigung sein kann. Es gibt Situationen, in denen Menschen handeln müssen, um bedrohtes Leben zu schützen. Doch die Fähigkeit, sich zu verteidigen, darf niemals zum Selbstzweck werden. Entscheidend bleibt, dass Gewalt nicht verherrlicht wird, dass ihre Grenzen gewahrt bleiben und dass die Suche nach Frieden nicht aufgegeben wird. Abraham nimmt nach seinem Sieg keine Beute für sich in Anspruch (1. Mose 14,21–24). Er macht aus seinem militärischen Erfolg keinen persönlichen Vorteil.

 

So lehrt uns Abraham, dass Stärke und Menschlichkeit keine Gegensätze sein müssen. Man kann entschlossen handeln und dennoch dem Frieden verpflichtet bleiben. Man kann für die eigenen Überzeugungen einstehen und gleichzeitig Mitgefühl bewahren.

 

Und schliesslich ist Abraham das grosse Vorbild der Hoffnung. Gott verspricht ihm: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“ (1. Mose 12,2). Diese Worte sind mehr als eine persönliche Verheissung. Sie enthalten eine Aufgabe: Wir sollen nicht nur selbst gesegnet sein, sondern auch für andere zum Segen werden.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft von „Lech Lecha“ für unsere Zeit: Wir müssen nicht alle Antworten kennen, bevor wir den ersten Schritt tun. Wir müssen nicht sicher sein, dass der Weg einfach wird. Aber wir können den Mut finden, aufzubrechen, Verantwortung zu übernehmen und an eine bessere Zukunft zu glauben.

 

Die jüdische Hoffnung ist keine passive Erwartung. Sie fordert uns auf, selbst etwas zu tun. Jeder Schritt zu mehr Gerechtigkeit, jede Geste der Menschlichkeit und jedes ehrliche Bemühen um Verständigung kann einen Unterschied machen.

So wollen wir in den Alltag zurückkehren – mit dem Mut Abrahams, mit seinem Sinn für Verantwortung und mit seiner Hoffnung. Mögen wir die Kraft finden, Veränderungen nicht nur zu fürchten, sondern sie zum Guten zu gestalten. Mögen wir füreinander da sein, für Gerechtigkeit eintreten und auch in schwierigen Zeiten den Glauben an eine bessere Zukunft bewahren.

 

Denn wir gehen diesen Weg nicht allein. Wir haben einander, unsere Tradition und die Gewissheit, dass selbst kleine Taten der Güte Licht in eine dunkle Welt bringen können.

 

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